Leitbild Gesamtorganisation Auenhof gGmbH

Als Organisation der Eingliederungshilfe sind wir für erwachsene Menschen mit Behinderungen tätig. An ihnen und ihren Bedürfnissen orientieren sich unsere Leistungen. Wir arbeiten vor dem Hintergrund des anthroposophischen Menschenbildes und der Grundgedanken von Inklusion und Personzentrierung.

 

Behinderung ist kein Wesensmerkmal des Menschen und kein unumstößliches Defizit: Sie ist ein Hindernis, das der Entfaltung des individuellen Wesenskerns entgegensteht.

Uns leitet die Überzeugung, dass für jeden Menschen eine Entwicklung in allen Lebensbereichen prinzipiell möglich ist. Deshalb ist die Unterstützung der individuellen biografischen Gestaltungsprozesse unsere Aufgabe. 

                                                                                                                     

Leben ist Entwicklung mit dem steten Ziel der Selbstaktualisierung. Es vollzieht sich im Spannungsfeld zwischen den jeweiligen Rahmen-bedingungen und dem eigenen Wollen. In diesem Spannungsfeld entwickelt sich die menschliche Biografie in dynamischen Prozessen. Wir wollen den einzelnen Menschen darin unterstützen, seinen individuellen Prozess zu gestalten mit dem Ziel, Perspektiven für ein selbstbestimmtes Leben zu entwickeln. Die hierfür benötigten Kompetenzen wollen wir stärken und erlebbar machen.

 

Unser Fokus ist auf die einzelne Persönlichkeit mit ihren individuellen Fähigkeiten und Wesenszügen gerichtet. Wir nehmen sie ernst in ihrer ganz eigenen Art und Ausdrucksweise, in ihren Erwartungen und Wünschen. Die größtmögliche Selbstbestimmung des Menschen mit Behinderung ist das Ziel unserer Bemühungen.

 

Im gemeinsam erlebten Alltag begegnen wir den Menschen mit Behinderung auf Augenhöhe. Wir bringen unseren  Gestaltungsanteil aktiv in die Alltagssituationen ein und erkennen dabei die Möglichkeiten, Folgen und Grenzen unseres Wirkens. Grundlage unserer Arbeit ist die menschliche Beziehung, die gegenseitige Achtung und Wertschätzung und die Verbindlichkeit von Mensch zu Mensch.

 

Selbstentwicklung und stetes Lernen verstehen wir als Bestandteil unserer Professionalität sowohl auf der Ebene der einzelnen MitarbeiterInnen als auch auf organisationaler Ebene. Damit ist die Zielsetzung der kontinuierlichen qualitativen Verbesserung unserer Leistungen verbunden.

 

Ein Teil unserer Leistungserbringung findet auf dem Gelände des Auenhof statt. Dieses soll mit seiner Untergliederung in Wohn- und Arbeitsbereich ein angenehmer Aufenthalts- und Kompetenzort für Menschen mit Behinderung sein. Vertrautheit und einfache Orientierung, ein selbstständiges Bewältigen der Wege und somit größtmögliche Freizügigkeit sollen hier gewährleistet sein.

Von diesem Sicherheit vermittelnden Lebensort ausgehend können, je nach den individuellen Möglichkeiten, die Lebenskreise gestaltet, erweitert und ggf. gänzlich verlagert werden.

 

Unsere Angebote erstrecken sich auf die Entwicklungsfelder Wohnen, Arbeiten und Kultur. Sie werden durchzogen von den sinnstiftenden Leitmotiven der Bildung und Kunst. 

 

Der Rahmen unseres Auftrags wird durch die Sozialgesetzgebung definiert. Die Ausgestaltung ist dem Gemeinwohl verpflichtet.

 

 

Entwicklungsfeld Wohnen

Jeder Mensch braucht einen Ort, wo er sich angenommen, geborgen und sicher fühlt. Dem individuellen Unterstützungsbedarf entsprechend sind unsere Wohnangebote gegliedert. Die einzelnen Formen bauen in  sinnvoller Weise aufeinander auf und sollen möglichst fließende Übergänge gestatten.

 

Für alle Bewohnerinnen und Bewohner gilt gleichermaßen, dass Betreuungskontinuität, Krisenbegleitung und eine optimistische Erwartungshaltung bezüglich der gemeinsam entwickelten Betreuungsziele Halt gebend sind. Die Betreuungsinhalte sind jeweils individuell zusammengesetzt aus praktischen, planend-reflektierenden und emotionalen Unterstützungsformen.

 

Durch eine ansprechende Ausgestaltung des Alltags, der Festtage und der Freizeit im Jahreskreis wird der gesamte Lebenszyklus mit allen zur Verfügung stehenden Sinnen aktiv durchdrungen.

 

Ziel aller Wohnformen ist die größtmögliche Selbstbestimmung und die Erhöhung der Lebenszufriedenheit jedes Einzelnen. Im Kontakt zu einem gleichberechtigten Gegenüber kann Leben sich entfalten und ein tragfähiges soziales Gefüge entstehen. Wir wollen mit unserer Arbeit neue Perspektiven eröffnen und Weiterentwicklung anstoßen.

 

 

Entwicklungsfeld Berufsbildung und Arbeit

Unabhängig von der individuellen Leistungsfähigkeit braucht jeder Mensch einen Platz, wo er seine Fähigkeiten erfahren, schulen und mit anderen und für andere zur Erscheinung bringen kann.

Das Wunsch- und Wahlrecht der Klienten bildet für alle Angebote und Maßnahmen in unserem Berufsbildungs- und Arbeitsbereich die Grundlage.

Dabei wollen wir auch Wege aufweisen und begleiten, die über den Rahmen unserer Werkstätten hinausweisen. Dafür kooperieren wir mit Betrieben des allgemeinen Arbeitsmarktes.  

 

Berufsbildungsbereich

Die berufliche Ausbildung ist neben der Schulung praktischer Fähigkeiten und der Wissensaneignung zugleich ein persönlichkeits-bildendes und -förderndes Element innerhalb der menschlichen Biografie. Sie zielt auf die Befähigung zur Teilhabe am Arbeitsleben und damit an einem wesentlichen sozialen Gestaltungsmerkmal im Leben des erwachsenen Menschen.

Das Bildungsanliegen umfasst die Befähigung zur Arbeit in den verschiedenen Werkstattbereichen sowie im gegebenen Fall auch das Ziel, Vermittlungsfähigkeit auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu erreichen. Hospitationen, Praktika und Arbeitserprobungen sind Mittel, die berufliche Bildung erfahrungsgerichtet und praxisbezogen zu gestalten.

 

Arbeitsbereich der WfbM

Arbeit ist nicht nur Beschäftigung, sondern soziale Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und damit Erfüllung und Selbstbestätigung. Deshalb bieten wir Arbeitsprozesse an, die es den Tätigen ermöglichen sollen, ihren Beitrag an dem in die Gesellschaft einfließenden Gesamtergebnis als bereichernd zu erleben.

Daraus können Motivation, Selbstsicherheit, Verantwortungs-bewusstsein und Entscheidungsfähigkeit erwachsen.

Unser Ziel ist es, dem Einzelnen ihm angemessene Ausbildungs- und Arbeitsplätze innerhalb unserer Organisation anzubieten. Darüber hinaus werden im Bedarfsfall die Möglichkeiten des allgemeinen Arbeitsmarktes initiativ und achtsam über die Vernetzung mit Betrieben und Fachdiensten erschlossen: Die Beschäftigten in Ausbildung und im Arbeitsbereich sollen bei Wunsch und Eignung die Gelegenheit erhalten, ihre persönlichen Fähigkeiten in Praktika und vorübergehend oder dauerhaft ausgelagerten Arbeitsplätzen zu erproben und für sich zu festigen. Der ggf. zu bewältigende Übergangsprozess auf den allgemeinen Arbeitsmarkt wird den persönlichen Bedürfnissen und Fähigkeiten entsprechend begleitet.

Vielfältige medizinisch-therapeutische Angebote flankieren den Ausbildungs- und Arbeitsprozess Ressourcen fördernd und Sinn stiftend.

 

 

Entwicklungsfeld Kultur

Kultur verbindet und bereichert die Menschen. Im schöpferisch-künstlerischen Prozess kann sich der Mensch individuelle Freiräume und Kraftquellen erschließen.

Kultur durchzieht als bildendes und künstlerisch-gestaltendes Element sowohl den Wohn- als auch den Arbeitsbereich der Auenhof gGmbH.

Als ein wesentlicher und grundlegender Baustein kulturellen Erlebens gilt uns die Gliederung des Jahreslaufs durch die christlichen Feste und deren Einbettung in die Prozesse der Natur und der Jahreszeiten. Das Begehen der Jahresfeste kann u.a. zur Orientierung im zeitlichen Ablauf beitragen und zu einem Empfinden von Sicherheit durch Einbindung in ein umfassendes Ganzes.

Weitere kulturelle Angebote gibt es u.a. in Form von arbeitsbegleitenden Maßnahmen, Indoor-Fort- und Weiterbildungen für Menschen mit Behinderungen oder künstlerisch-kulturellen workshops und Arbeits-gruppen auf dem Gelände der Auenhof gGmbH.

Darüber hinaus sehen wir ein wichtiges Ziel darin, jedem Menschen mit Behinderung nach Möglichkeit Wege in den umgebenden Sozialraum zu ebnen und die individuelle Teilhabe am kulturellen, kirchlichen oder sportlichen Leben innerhalb der Gesellschaft anzuregen und zu begleiten.

 

Stand: 13.05.2013

Arbeitskreis Leitbild und L. Flache, V. Krais, S. Finscher